Was ist eine Sehschule?
Eine Sehschule ist eine spezialisierte Einrichtung der Augenheilkunde zur Untersuchung und Behandlung von Schielen, Sehschwächen (Amblyopie) und anderen Sehstörungen.
Die Untersuchungen werden von Orthoptisten durchgeführt. Diese sind speziell ausgebildete Fachkräfte des medizinischen Fachgebiets Orthoptik. Besonders bei Kindern ist eine frühzeitige Untersuchung wichtig, um Sehprobleme rechtzeitig zu erkennen und die gesunde Entwicklung des Sehens zu fördern.

Sehschule: Aufgaben und Ziele
Die Sehschule ist eine spezialisierte Einrichtung der Augenheilkunde, die in augenärztlichen Praxen, Augenkliniken und Krankenhäusern angeboten wird. Hier untersuchen Orthoptisten Kinder und Erwachsene auf Schielen, Sehschwächen und andere Störungen des Sehens. Da viele dieser Erkrankungen bereits im Kindesalter entstehen, werden in der Sehschule besonders häufig Kinder betreut.
Zu den wichtigsten Aufgaben der Sehschule gehören die Diagnostik, Behandlung und Verlaufskontrolle von Sehstörungen. Dabei können unter anderem Amblyopie, Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit und Astigmatismus erkannt und behandelt werden. Je nach Diagnose kommen beispielsweise eine Brille oder eine Okklusionstherapie zum Einsatz.
Ziel der Sehschule ist es, Sehstörungen möglichst früh zu erkennen und die bestmögliche Sehentwicklung zu fördern. Da viele Sehprobleme für Eltern, Erzieher oder Lehrkräfte zunächst nicht erkennbar sind, spielen regelmäßige Untersuchungen eine wichtige Rolle. Je früher Schielen, Sehschwächen und andere Sehstörungen diagnostiziert und behandelt werden, desto besser sind die Chancen auf eine gesunde Sehentwicklung und desto geringer ist das Risiko einer bleibenden Sehschwäche.
Unterschied zwischen Sehschule und Augenarztpraxis
Die Sehschule ist die orthoptische Abteilung einer Augenarztpraxis oder Augenklinik. Sie ist auf die Diagnostik und Behandlung von Schielen, Sehschwächen und Störungen des beidäugigen Sehens spezialisiert. Das zugrunde liegende Fachgebiet wird als Orthoptik bezeichnet. Nicht jede Augenarztpraxis verfügt über eine Sehschule. Eltern sollten dies bei der Praxissuche beachten, wenn ihr Kind eine Überweisung in die Sehschule erhalten hat.
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
Fachpersonal
- In der Sehschule führen Orthoptisten spezialisierte Untersuchungen durch.
- In der Augenarztpraxis erfolgt die medizinische Diagnostik und Behandlung durch den Augenarzt.
Schwerpunkt
- Die Sehschule konzentriert sich auf Schielen, Sehschwächen sowie Störungen des beidäugigen Sehens.
- Die Augenarztpraxis behandelt das gesamte Spektrum von Augenerkrankungen, beispielsweise Netzhaut-, Hornhaut- oder Glaukomerkrankungen.
Zielgruppe
- Die Augenarztpraxis betreut Patienten aller Altersgruppen mit unterschiedlichsten Augenerkrankungen.
- Die Sehschule richtet sich zwar ebenfalls an Kinder und Erwachsene, ihr Schwerpunkt liegt jedoch auf der Diagnostik und Behandlung von Sehstörungen im Kindesalter.
Untersuchungen
- In der Sehschule kommen spezielle Untersuchungsverfahren zum Einsatz, die auf Kinder und Patienten mit Störungen des Sehens abgestimmt sind.
- Besonders bei jüngeren Kindern werden viele Untersuchungen altersgerecht und spielerisch gestaltet, um möglichst genaue Untersuchungsergebnisse zu erhalten.
- In der Augenarztpraxis liegt der Fokus stärker auf der allgemeinen Untersuchung der Augengesundheit.
Augenärzte und Orthoptisten arbeiten dabei eng zusammen, um die bestmögliche Versorgung der Patienten sicherzustellen.
Was passiert in der Sehschule?
In der Sehschule untersuchen und behandeln Orthoptisten in enger Zusammenarbeit mit Augenärzten Schielerkrankungen, Sehschwächen und andere Störungen des beidäugigen Sehens. Da sich viele dieser Erkrankungen umso besser behandeln lassen, je früher sie erkannt werden, kann eine Untersuchung bereits im Kleinkindalter sinnvoll sein. Dies gilt auch dann, wenn kein offensichtliches Schielen erkennbar ist, aber beispielsweise Koordinations- oder Lernschwierigkeiten bestehen.
Darüber hinaus kann in der Sehschule festgestellt werden, ob eine Fehlsichtigkeit wie Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) vorliegt. Diese kann in vielen Fällen mit einer Brille korrigiert werden. Früh erkannte und behandelte Sehfehler können dazu beitragen, Schielen oder Sehschwächen vorzubeugen.
Da das Sehen eine wichtige Grundlage für Lernen, Orientierung und die Wahrnehmung der Umwelt ist, spielt die frühzeitige Diagnose und Behandlung von Sehstörungen eine entscheidende Rolle für die Entwicklung von Kindern.
Übrigens: Neben Kindern mit Sehschwäche oder Strabismus werden in manchen orthoptischen Abteilungen auch dauerhaft sehbehinderte Menschen sowie Personen behandelt werden, die aufgrund eines Schlaganfalls, einer neurologischen Erkrankung wie Multiple Sklerose oder Parkinson oder eines Unfalls Sehtrainings, Sehhilfen oder andere Unterstützung im Rahmen von Reha-Maßnahmen benötigen.
Tipps für Eltern:
Kinder, die sehr leistungsorientiert sind, haben vor der „Sehschule“ oder dem
„Sehtest“ möglicherweise Angst. Eltern sollten daher betonen, dass es bei den Untersuchungen in der
Orthoptik keinesfalls darum geht, dass das Kind eine Leistung erbringen muss und bewertet wird.
Welche Erkrankungen werden in der Sehschule behandelt?
Liegt ausschließlich eine Fehlsichtigkeit wie Kurz- oder Weitsichtigkeit vor - ohne zusätzliche Sehschwäche (Amblyopie), kann der Sehfehler meist durch eine augenärztlich verordnete Brille korrigiert werden. Auch nach der Brillenverordnung finden in der Sehschule regelmäßige Kontrolluntersuchungen statt, um die Sehentwicklung und den Behandlungserfolg zu überprüfen. Entscheidend ist dabei, dass das Kind seine Brille konsequent trägt.
Natürlich sollte in regelmäßigen Abständen die Entwicklung der Weit- oder Kurzsichtigkeit überprüft werden. Bei Bedarf werden dann die Brillengläser an die sich verändernde Dioptrienzahl angepasst.
Anders sieht es aus, wenn das Kind zusätzlich an einer Sehschwäche (Amblyopie) leidet. Dann genügt eine Brille allein häufig nicht. In diesem Fall wird die Behandlung in der Sehschule durch weitere Therapiemaßnahmen ergänzt.
Diese Erkrankungen werden in der Sehschule behandelt
- Schielerkrankungen (Strabismus): Hierzu gehören sowohl sichtbares Schielen als auch nicht
sichtbare Schielstellungen - Sehschwächen (Amblyopie): Funktionelle Schwachsichtigkeit entsteht häufig dadurch, dass
ein Auge (zum Beispiel durch Weitsichtigkeit) weniger sehstark ist und das Kind dieses Auge
deshalb weniger nutzt - unkontrolliertes Augenzittern (Nystagmus) und andere Augenbewegungsstörungen
- Störungen des Binokularsehens (beidäugigen Sehens)
Zur Behandlung des Schielens stehen verschiedene Methoden zur Verfügung. Welche am besten geeignet ist, entscheidet der Augenarzt nach gründlicher Untersuchung und von Fall zu Fall. In einigen Fällen können operative Maßnahmen gute Ergebnisse erzielen, doch bei den weitaus meisten Patienten empfiehlt sich eine sogenannte Okklusionstherapie mit Augenpflastern. Je frühzeitiger damit begonnen wird, desto größer sind die Erfolgsaussichten.
Okklusionstherapie und die Sehschule
Zu den häufigsten und wirkungsvollsten Behandlungsmöglichkeiten bei Sehschwäche zählt die Okklusionstherapie. Sie ist eine nicht-operative, erprobte und bewährte Behandlungsoption, die sich vergleichsweise leicht in den Alltag integrieren lässt und sehr gute Ergebnisse erzielt. Wird sie korrekt durchgeführt, hat die Okklusionstherapie ebenso wie der Einsatz der Brille keinerlei Nebenwirkungen.
Der Begriff „Okklusion“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Verschluss“. So wird bei der Okklusionstherapie das sehstärkere Auge zeitweise mit einem Pflaster abgedeckt, um dadurch das sehschwächere Auge zu trainieren.
Das muss bei der Okklusionstherapie beachtet werden:
- Das Augenpflaster muss auf das Auge und nicht etwa auf das Brillenglas geklebt werden
- Es dürfen nur speziell hierfür entwickelte Augenpflaster verwendet werden. Nur so ist gewährleistet, dass tatsächlich keinerlei Lichtstrahlen an das abgeklebte Auge gelangen und die Haut nicht gereizt wird
- Die in der Sehschule abgesprochenen Zeitintervalle, in denen das Auge abgeklebt werden soll, müssen im Alltag eingehalten werden.
Tipps zum richtigen Kleben
So sitzt das Augenpflaster richtig und unterstützt die Therapie bestmöglich.
Wer arbeitet in einer Sehschule? Die Rolle der Orthoptisten
Orthoptisten sind speziell ausgebildete Fachkräfte der Augenheilkunde. Sie arbeiten in der Sehschule/orthoptischen Abteilung der augenärztlichen Praxis und unterstützen die Augenärzte bei der Erkennung und Behandlung von Schielerkrankungen, Augenzittern und Sehschwäche.
Bei der Untersuchung des Kindes in der Sehschule überprüfen die Orthoptisten vor allem drei Aspekte:
- die Sehschärfe
- den Schielwinkel
- die Beweglichkeit der Augen
Im Anschluss an die Diagnose erstellen die Orthoptisten einen individuellen Behandlungsplan. Die Fortschritte sollten in regelmäßigen Abständen in der Sehschule kontrolliert werden. Um einem Kind mit einer Schielerkrankung oder Sehschwäche die bestmögliche Behandlung zu bieten, sollten sich die Orthoptisten nicht nur mit den Augenärzten abstimmen, sondern immer auch die Eltern mit einbeziehen. Schließlich ist die Mitarbeit der Eltern gerade bei der Okklusionstherapie entscheidend für den Behandlungserfolg.
Wann sollte mein Kind zur Sehschule gehen?
Sollten bei der Früherkennungsuntersuchungen den Kinderärzten Hinweise auf einen Sehfehler, Schielen oder eine andere Augenerkrankung auffallen, wird er das Kind voraussichtlich an eine augenärztliche Praxis mit angeschlossener Sehschule überweisen. Unabhängig von den U-Untersuchungen sollten Sie als Eltern mit Ihrem Kind in die Sehschule gehen, wenn Sie eines oder mehrere der folgende Symptome für eine mögliche Sehschwäche bei Ihrem Kind wahrnehmen:
- Schielen – auch wenn dies nur selten und nur in bestimmten Situationen bemerkbar ist
- Augenzittern
- Schiefhalten des Kopfes, etwa beim Lesen/Betrachten von (Bilder-)Büchern
- sehr nahes Heranhalten von Büchern, Spielzeug oder anderen Gegenständen
- Danebengreifen, wenn das Kind einen Gegenstand ergreifen will
- Zukneifen eines Auges
- Leseschwierigkeiten – ob zu Hause oder in der Schule
- Konzentrationsprobleme in der Schule/Schwierigkeiten, dem Unterricht zu folgen
- Orientierungsschwierigkeiten im Alltag
- häufiges Stolpern, Kollisionen mit Hindernissen etc. (Unfälle bei Sport und Spiel).
Weitere mögliche Hinweise
Beschwerden wie gerötete oder entzündete Augen können, aber müssen nicht auf eine Sehschwäche hindeuten. Der Grund für diese Symptome kann auch eine andere Augenerkrankung wie beispielsweise eine Bindehautentzündung infolge eines Infekts oder einer Allergie sein.
Lassen sich diese Ursachen jedoch ausschließen, ist eine Untersuchung beim Augenarzt mit Sehschule für Kinder sinnvoll. Das Gleiche gilt für uneindeutige Beschwerden wie Kopfschmerzen, Verstimmungen oder Gereiztheit, wenn der Kinderarzt hierfür keine näherliegenden Ursachen ermitteln kann.
Familiengeschichte beachten
Eine vorsorgliche Untersuchung bei Augenärzten und in der Sehschule kann auch dann angeraten sein, wenn sich keinerlei Anzeichen zeigen, aber eine familiäre Vorbelastung existiert. Bestehen bei einem oder beiden Elternteilen oder bei einem Geschwisterkind Sehfehler, Sehschwächen oder Schielerkrankungen, sollten auch Kinder ohne Symptome einmal beim Augenarzt in der Sehschule/orthoptischen Abteilung vorgestellt werden. Dies gilt vor allem bei folgenden Erkrankungen von Eltern oder Geschwistern:
- Schielen
- Amblyopie
- Fehlsichtigkeit (Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Astigmatismus)
Vor der Untersuchung in der Sehschule brauchen weder Kinder noch Eltern Angst zu haben. Orthoptisten sind nicht nur Experten für gutes Sehen, sondern bringen üblicherweise auch viel Erfahrung mit kindlichen Patienten sowie ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen mit.
Gut zu wissen!
- Eine Untersuchung in der Sehschule ist mit keinen gesundheitlichen Risiken verbunden
- Die Untersuchungen durch die Orthoptisten sind schmerzfrei
- Um die Brechkraft des Auges korrekt bestimmen zu können, müssen Augentropfen zur Erweiterung der Augen gegeben werden – auch das ist schmerzlos und gesundheitlich unbedenklich
- Bekommt das Kind von den Ärzten eine Überweisung für die Sehschule, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen normalerweise die Kosten
- Ein Amblyopie-Screening ist meist auch eine Kassenleistung
- Online-Sehtrainings als Service müssen allerdings selbst gezahlt werden.
Checkliste: Gut vorbereitet für den Termin in der Sehschule
- Versichertenkarte und ggf. Überweisung mitbringen
- Vorhandene Brille des Kindes mitnehmen
- Frühere Augenarztbefunde oder Brillenpässe bereithalten
- Notieren, welche Auffälligkeiten Ihnen aufgefallen sind (z. B. Schielen, Augenzukneifen, Stolpern oder Leseschwierigkeiten)
- Informieren Sie den Orthoptist über bekannte Sehprobleme in der Familie
- Erklären Sie Ihrem Kind, dass die Untersuchung schmerzfrei ist und kein „Test“ mit richtigen oder falschen Antworten
- Planen Sie ausreichend Zeit ein – für manche Untersuchungen werden Augentropfen zur Pupillenerweiterung benötigt
- Denken Sie ggf. an Sonnenbrille oder Kappe für den Heimweg, da das Licht nach den Tropfen vorübergehend als heller empfunden werden kann

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