Ungleichsichtigkeit (Anisometropie) bei Kindern
Eine Anisometropie liegt vor, wenn beide Augen unterschiedlich stark fehlsichtig sind. Wird sie bei Kindern nicht frühzeitig erkannt, kann sich eine Amblyopie (Sehschwäche) entwickeln.
Erfahren Sie, wie eine Anisometropie erkannt, behandelt und welche Folgen sie unbehandelt haben kann.

Was ist eine Anisometropie?
Die Anisometropie beschreibt einen Zustand, bei dem beide Augen eine unterschiedliche Brechkraft aufweisen. Das bedeutet: Ein Auge kann beispielsweise kurzsichtig sein, während das andere weitsichtig ist, oder beide Augen weisen denselben Sehfehler in unterschiedlicher Stärke auf. Medizinisch spricht man von einer Anisometropie, wenn sich die Brechkraft beider Augen um mindestens 2 Dioptrien unterscheidet.
Besonders bei Kindern ist die frühzeitige Erkennung und Behandlung der Anisometropie wichtig, da unbehandelt eine Amblyopie (Schwachsichtigkeit) entstehen kann. Das Gehirn bevorzugt dann das stärkere Auge und unterdrückt die Signale des schwächeren Auges, was langfristig zu einer dauerhaften Sehschwäche führen kann.
Beispiele für Anisometropie:
- Ein Auge ist kurzsichtig (Myopie), das andere weitsichtig (Hyperopie)
- Beide Augen sind kurzsichtig, aber in unterschiedlicher Stärke (z. B. -1,5 dpt links und -4,0 dpt rechts)
- Ein Auge hat eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus), das andere nicht
Bei Kindern ist Anisometropie häufiger als viele Eltern denken. Etwa 5–10 % aller Kinder sind davon betroffen. Oft wird sie erst bei einer Routineuntersuchung beim Augenarzt oder in der Sehschule entdeckt.
Die gute Nachricht: Mit der richtigen Behandlung, etwa durch eine Brille, Kontaktlinsen oder die Okklusionstherapie kann die Sehkraft des schwächeren Auges trainiert und eine normale Entwicklung des Sehvermögens ermöglicht werden.
Symptome bei Kindern - Woran erkennt man Anisometropie?
Anisometropie ist für Eltern oft schwer zu erkennen, da Kinder sich häufig nicht über Sehprobleme beschweren - sie kennen es ja nicht anders. Dennoch gibt es einige Warnsignale, auf die Eltern achten sollten:
Typische Anzeichen:
- Häufiges Zukneifen eines Auges (besonders bei hellem Licht oder beim Lesen)
- Schiefhaltung des Kopfes beim Lesen, Malen oder Spielen
- Probleme beim räumlichen Sehen: Das Kind stolpert häufig, greift daneben oder hat Schwierigkeiten beim Ballspielen
- Kopfschmerzen oder Augenreiben nach längerem Lesen oder Spielen
- Konzentrationsschwierigkeiten in der Schule oder beim Malen
- Auffälligkeiten bei der U-Untersuchung (z. B. U7, U8, U9)
Tipp für Eltern:
Wenn Sie eines oder mehrere dieser Anzeichen bei Ihrem Kind bemerken, vereinbaren Sie einen Termin beim Augenarzt oder in einer Sehschule. Je früher Anisometropie erkannt wird, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten.
Ursachen von Anisometropie - Wie entsteht Ungleichsichtigkeit?
Die Ursachen der Anisometropie sind vielfältig und häufig nicht vollständig geklärt. In den meisten Fällen ist sie angeboren oder entwickelt sich in den ersten Lebensjahren.
Häufige Ursachen:
- Genetische Veranlagung: Wenn Eltern oder Geschwister Anisometropie haben, ist das Risiko für das Kind erhöht
- Unterschiedliches Augenwachstum: Die Augen entwickeln sich in den ersten Lebensjahren unterschiedlich schnell
- Frühgeburt: Frühgeborene haben ein erhöhtes Risiko für Sehstörungen, einschließlich Anisometropie
- Selten: Verletzungen, Erkrankungen oder Operationen am Auge können ebenfalls zu Anisometropie führen
Wichtig zu wissen:
Anisometropie ist keine Folge von zu viel Bildschirmzeit oder falscher Ernährung. Sie entsteht durch anatomische Unterschiede in der Augenstruktur.
Diagnose - Wie wird Anisometropie festgestellt?
Die Diagnose der Anisometropie erfolgt durch eine augenärztliche Untersuchung oder in einer Sehschule. Dabei werden verschiedene Tests durchgeführt, um die Brechkraft beider
Augen genau zu bestimmen.
- Sehtest: Mit kindgerechten Sehtafeln (z. B. LEA-Symbole) wird die Sehschärfe jedes Auges einzeln geprüft
- Refraktionsbestimmung: Messung der Brechkraft mit speziellen Geräten (Autorefraktometer)
- Zykloplegie: Für eine genaue Messung werden oft Augentropfen verwendet, die die Pupille erweitern und den Ziliarmuskel entspannen. Das ist völlig schmerzfrei, kann aber einige Stunden nachwirken
- Untersuchung des beidäugigen Sehens: Prüfung, ob beide Augen gut zusammenarbeiten
Gut zu wissen:
Die Untersuchung ist völlig schmerzfrei und dauert in der Regel 30–45 Minuten. Viele Kinder finden die bunten Sehtafeln sogar spannend!
Behandlung - Wie wird Anisometropie therapiert?
Die Behandlung der Anisometropie hängt vom Schweregrad und dem Alter des Kindes ab. Ziel ist es, die Sehkraft beider Augen auszugleichen und eine Amblyopie zu verhindern.
Brille mit unterschiedlichen Gläserstärken
Die häufigste Behandlungsmethode ist eine Brille mit individuell angepassten Gläsern für jedes Auge. Jedes Glas korrigiert die Brechkraft des jeweiligen Auges, sodass beide Augen ein scharfes Bild sehen können.
Wichtig:
- Die Brille sollte dauerhaft getragen werden, damit sich das Sehvermögen optimal entwickeln kann
- Die Gewöhnung an die Brille kann einige Tage dauern - das ist normal
- Kindgerechte Brillenmodelle sind wichtig für die Akzeptanz. Lassen Sie Ihr Kind bei der Auswahl mitentscheiden!
Kontaktlinsen bei größeren Unterschieden
Bei größeren Unterschieden in der Brechkraft (ab ca. 3 Dioptrien) können Kontaktlinsen eine bessere Alternative zur Brille sein. Sie vermeiden Bildgrößenunterschiede, die bei starken
Brillengläsern auftreten können.
Vorteile von Kontaktlinsen:
- Besseres räumliches Sehen und natürlicheres Sichtfeld
- Mehr Bewegungsfreiheit beim Sport und Spielen
- Auch für Kinder ab ca. 8–10 Jahren möglich (je nach Reife und Verantwortungsbewusstsein)
- Wichtig: Gute Hygiene und regelmäßige Pflege sind entscheidend
Okklusionstherapie und Anisometropie
Wenn trotz Brille oder Kontaktlinsen das schwächere Auge nicht ausreichend trainiert wird, kommt die Okklusionstherapie zum Einsatz. Dabei wird das stärkere Auge mit einem Augenpflaster abgeklebt, damit das schwächere Auge gezielt trainiert wird. Die Okklusionstherapie kann für Kinder und Eltern mit den richtigen Strategien zu einem festen und positiven Bestandteil des Alltags werden.
Praktische Tipps zum Umgang mit Pflastern:
- Feste Klebezeiten etablieren: Integrieren Sie das Pflaster in den Tagesablauf (z. B. morgens nach dem Frühstück oder nachmittags beim Malen)
- Belohnungssysteme nutzen: Sticker-Kalender, kleine Überraschungen oder eine Tapferkeitsurkunde motivieren Ihr Kind
- Bunte Pflaster-Motive: Lassen Sie Ihr Kind selbst aussuchen, welches Motiv es tragen möchte. Wir haben Motive für jedes Kind!
- Positive Verstärkung: Loben Sie Ihr Kind regelmäßig: Du bist so tapfer! oder Du machst das toll!
- Aktivitäten während der Klebezeit: Malen, Basteln, Vorlesen oder Puzzeln lenken ab und trainieren gleichzeitig das schwächere Auge
- Geduld haben: Fortschritte brauchen Zeit. Bleiben Sie dran, auch wenn es mal schwierig wird
Ausführliche Informationen rund um das Thema Okklusionstherapie finden Sie in unserem Ratgeber Artikel zur Okklusionstherapie.
Tipp:
Piratoplast bietet kindgerechte Augenpflaster mit bunten Motiven, die das Tragen angenehmer machen. Hier gelangen Sie zu unserer Augenpflaster-Auswahl!
Kann Anisometropie geheilt werden?
Die Anisometropie selbst bleibt in den meisten Fällen bestehen. Das bedeutet, die unterschiedliche Brechkraft der Augen kann nicht rückgängig gemacht werden. Aber mit der richtigen Behandlung kann eine Amblyopie verhindert und ein normales Sehvermögen erreicht werden!
Prognose und Erfolgsaussichten:
- Je früher die Therapie beginnt, desto besser sind die Erfolgsaussichten
- Beste Ergebnisse bei Therapiebeginn vor dem 6. Lebensjahr
- Regelmäßige Kontrollen auch nach Therapieende sind wichtig, um Rückfälle zu vermeiden
- Langfristig: Mit konsequenter Behandlung ist ein normales Sehvermögen und räumliches Sehen möglich
- Die Brille oder Kontaktlinsen müssen in der Regel weiterhin getragen werden
Häufige Fragen bei Kindern mit Anisometropie
Ja, genetische Veranlagung spielt eine Rolle. Wenn Eltern oder Geschwister Anisometropie haben, ist das Risiko für das Kind erhöht.
Spätestens bei Auffälligkeiten in der U-Untersuchung oder bei Symptomen wie Zukneifen, Kopfschmerzen oder Konzentrationsproblemen. Auch bei familiärer Vorbelastung ist eine frühzeitige Untersuchung sinnvoll.
Ab ca. 8–10 Jahren ist das möglich, je nach Reife und Hygieneverständnis des Kindes. Sprechen Sie mit Ihrem Augenarzt über die beste Lösung.
Ja, Brille und Okklusionstherapie werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen. Auch Augenpflaster sind erstattungsfähig.
Je nach Schweregrad mehrere Monate bis Jahre. Die tägliche Klebezeit wird vom Augenarzt festgelegt.
Ja, in den meisten Fällen ist Sport erlaubt. Bei Ballsportarten sollten Sie jedoch vorsichtig sein, da das räumliche Sehen eingeschränkt sein kann.
Belohnungssysteme, bunte Motive, positive Verstärkung und feste Rituale helfen. Lassen Sie Ihr Kind bei der Auswahl der Pflaster mitentscheiden! Hier erfahren wie Sie Ihr Kind in der Augenpflastertherapie motivieren können.
Das Risiko einer dauerhaften Amblyopie steigt. Das schwächere Auge entwickelt sich nicht richtig und kann langfristig schwächer bleiben.

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